Mutical Lisas Reise

Lisas Reise

Im zweiten Halbjahr hat die Theater AG in Kooperation mit der Kreisjugendmusikschule Stade und dem Projekt „Musik und Tanz“ an dem MuTical „Lisas Reise“ gearbeitet. Wir beschäftigten uns mit dem Bilderbuch von Paul Maar, schrieben zu den Bildern neue Szenen und setzten diese nach und nach zusammen. Mit dem Projekt „MuT“ sprachen wir ab, an welcher Stelle in unserem Text die Handlung durch einen Tanz unterbrochen werden sollte. Die Tänze studierten Rebecca Reh und Kathrin Witthöft in 6 MuT Stunden ein.

Am 22. Juni war es dann soweit. Nach gerade mal 10 Doppelstunden traf sich die Theater AG mit allen Kindern der Schule, um erstmals am Vormittag das Stück in der Generalprobe zusammenzuführen. Es klappte auf Anhieb erstaunlich gut.

So konnte jeder sich auf die Aufführung am Nachmittag vor Eltern und Geschwistern freuen.

Weihnachtsstück 2011 Biografisches Theater

Theater Weihnachten

Begeistert habe ich in Düsseldorf an dem Workshop von Maike Plath teilgenommen. Noch im Zug auf der Rückfahrt entwickelte ich eine Idee, wie man die Methode von Maike Plath in der Grundschule anwenden kann. Mir kam die Idee, dass ich die Kinder einen Gegenstand mitbringen lasse, den diese mit Weihnachten verbinden.

Ende November war es dann soweit. In einem Elternbrief informierten Frau Hausemann und ich die Eltern der dritten Klassen  über unser Vorhaben und baten darum, einen Gegenstand herauszusuchen, der zwar für die Kinder in der Weihnachtszeit enorm wichtig ist, aber gleichzeitig in diesem Jahr in der Vorweihnachtszeit im Klassenraum bleiben muss.

Am nächsten Tag hatten fast alle  Schülerinnen und Schüler etwas Weihnachtliches dabei. Ihre Aufgabe war nun entweder aufzuschreiben, was sie mit diesem Gegenstand verbinden, warum er ihnen wichtig ist oder sie durften sich eine Lügengeschichte zu dem Gegenstand auszudenken. Auf den Tischen der Kinder standen Glasengel, Nikolausstiefel, Weihnachtskugeln, Schneekugeln, Plastikweihnachtsbäume, Kerzen, Weihnachtsmänner, Kokosflocken, ein Tannenzweig, Tonfiguren usw.

Alle Kinder schrieben eine Geschichte auf. Über das Wochenende hatten sie Zeit, diese zu Hause zu Ende zu schreiben, zu überarbeiten oder evtl. sogar eine zweite Geschichte zu erfinden. Einer meiner Schüler  diktierte mir eine haarsträubende Geschichte. Im Laufe des Vormittages war der Glasengel des Kindes kaputt gegangen. Ein Flügel war nicht mehr aufzufinden, und der Unterleib war aus der Verankerung gebrochen. Der Junge nahm diesen Umstand in seiner Geschichte auf und erzählte, wie der Glasengel von einem Meteoriten getroffen wurde und sich auf die Suche, nach seinen Körperteilen machen musste. Aus diesem Grund musste er seinen Besitzer in Stich lassen und konnte seine Arbeit als Glücksengel vorübergehend nicht mehr nachgehen. Auf seinem Weg begegnete der Engel einer Krake (dieses Kuscheltier befand sich im Schulranzen des Schülers).

Nach dem Wochenende bekamen Frau Hausemann und ich die Geschichten von den Kindern, die  wir uns zu Hause durchlasen. Es gab spannende und weniger spannende Geschichten. Wir  stellten 7 Gruppen zusammen. Die Kinder mussten sich in der Gruppe für eine Geschichte entscheiden, die sie auf der Bühne gerne sehen wollten. Diese 7 Geschichten wurden dann im Plenum vorgelesen. Jedes Kind hatte dann 4 Steine zu vergeben. Die Geschichten mit den meisten Stimmen waren die Geschichten, mit denen wir uns in den nächsten drei Wochen intensiv beschäftigen wollten.

In den nächsten drei Tagen gingen Frau Hausemann und ich mit den Klassen  in unseren Bewegungsraum, wo wir nach und nach 30 Karten aus dem Methoden-Repertoire für Darstellendes Spiel und Theaterunterricht von Maike Plath aus dem Beltz Verlag einführten. Ich hatte mir  im Vorfeld Karten ausgesucht, die für Grundschulkinder leicht verständlich sind und die mir für unsere Inszenierung wichtig erschienen.

So musste ich in den nachfolgenden Stunden nicht lange erklären, was mit den theaterästhetischen Mitteln „chorisches Sprechen“, „Freeze“, „Diagonale“ etc. gemeint ist, außerdem war die Arbeit mit den Karten ein schönes Aufwärmspiel am Anfang der kommenden Unterrichtsstunden.

Frau Hausemann und ich hatten uns einen Zeitrahmen von insgesamt drei Wochen mit 4-5 Wochenstunden gesteckt. Wir hatten also nicht viel Zeit, um die Kinder lange experimentieren zu lassen. Wir machten ein Brainstorming zu den einzelnen Geschichten. Mit den Ideen der Kinder ging ich nach Hause. Ich fügte den Geschichten einen Erzähler und einem kommentierenden Chor hinzu.

Meine Idee war, dass alle Kinder im Hintergrund auf der Bühne sitzen. Die Konzentration sollte dadurch hochgehalten werden, dass die Kinder chorisch kommentieren, was auf der Bühne gerade passiert. Wenn ein Haus, ein Bett, ein Vogel oder ähnliches gebraucht wurde, löste sich ein Kind aus dem Chor, übernahm für einen kurzen Moment diese Rolle und ging, sobald es nicht mehr gebraucht wurde, zum Chor zurück.

Die Geschichtenschreiber bekamen das Privileg aussuchen zu dürfen, wer welche Rolle in ihrem Stück spielen darf. Sie selbst konnten entscheiden, ob sie selbst der Erzähler sein wollten, die Hauptfigur oder eine Nebenrolle. Dadurch fühlten die Kinder sich sehr ernst genommen und waren in den ganzen drei Wochen sehr konzentriert. Zu Hause erzählten sie ihren Eltern, dass ihnen das Proben sehr viel Spaß mache, da es sich um ihre eigenen Geschichten handelt, die sie selbst geschrieben und selbst besetzt hätten.

Die Geschichten, die nicht ausgesucht wurden, wollten Frau Hausemann und ich trotzdem würdigen. Diese Kinder bekamen die Aufgabe, ihre Geschichte auswendig zu lernen, bzw. so zu lernen, dass sie diese jemand anderem aus dem Kopf erzählen könnten. So startete das Stück damit, dass die Kinder durch den Raum mit ihrem Gegenstand gingen, sich zu einer Person aus dem Publikum setzten und diesem die erfundene Geschichte erzählten. Um das zu üben baten wir die Kinder einer ersten Klasse an einer Probe teilzunehmen und sich Geschichten erzählen zu lassen. Die Erstklässler gaben unseren Klassen  Rückmeldung, was diese noch verbessern könnten.

Spannend fand ich, mit welcher Ruhe die Proben stattfanden. Es gab schon nach wenigen Tagen kaum Texthänger, selbst der Chor vergaß selten seinen Text, da immer irgendeiner gerade wusste, was jetzt kommt und auch schwächere Kinder einfach mitsprechen konnten.

Am letzten Schultag präsentierten die  Klassen in einer feierlichen Stunde der Grundschule Steinkirchen diese Eigenproduktion. Die Kinder bekamen sehr viel Beifall.

Wer neugierig geworden ist: Einen Ausschnitt der Produktion kann man auf dieser homepage oder auf You Tube sehen (leider schlechte Tonqualität) :

Das Stück kann man anfordern unter: koeckeritz@grundschule-steinkirchen.de

Sabine Köckeritz

Vorstandsmitglied im Fachverband Schultheater – Darstellendes Spiel Niedersachsen e.V.

und Lehrerin der Grundschule Steinkirchen

Wir schreiben unser Weihnachtsstück selbst

Erfahrung mit dem biografischen Theater in der Grundschule

Freitag, 3. Februar 2012

Videoausschnitt